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STRECKENBEEINFLUSSUNG UND TEMPORÄRE SEITENSTREIFENFREIGABE A9 HOLLEDAU - NEUFAHRN 1.+2.BA, Bayern, Deutschland

, 2015

Aufgabenstellung

Als eine der wichtigsten Verkehrsadern in Bayern kommt der Bundesautobahn A 9 ein hoher Stellenwert zu. Zwar konnte durch den achtstreifigen Ausbau im Jahr 2005 und die vorhandene Streckenbeeinflussungsanlage die Verkehrssituation zwischen den Autobahnkreuzen Neufahrn und München-Nord erheblich verbessert werden, die Verkehrssituation nördlich von Neufahrn hat sich dagegen durch steigende Verkehrsbelastungen weiter verschärft und führt zu häufigen Störungen und Staus besonders im Berufs- und Reiseverkehr.

Details

Im Bereich vom AD Holledau bis zum AK Neufahrn in FR München wurde die beste­hende Streckenbeeinflussungsanlage erneuert und zusätzlich verdichtet. In FR Nürnberg wurde eine komplett neue SBA aufgebaut.

Für die Informationsübermittlung an die Verkehrsteilnehmer wurden Anzeigequerschnitte mit Wechselverkehrszeichen in LED-Technik aufgebaut, die an Verkehrszeichenbrücken (VZB) aus Schleuderbeton oder an seitlichen Rohrmasten angebracht sind.

Für die Verkehrsdatenerfassung werden im Wesentlichen Überkopfdetektoren verwendet, die an den VZB befestigt sind. Diese Detektoren verwenden eine Kombination aus Doppler-Radar-, Ultraschall- und Passiv-Infrarot-Technologie zur genauen Verkehrsdatenerfassung. Hierbei werden minütlich die fahrstreifenbezogene Verkehrsstärke getrennt nach Lkw und Pkw sowie deren gefahrenen mittleren Geschwindigkeiten erfasst. Für die Dauerzählstellen wurden aufgrund der benötigten höheren Anzahl der zu messenden Fahrzeugklassen und der höheren Genauigkeit Doppelinduktionsschleifen in der Fahrbahn eingebaut.

Für die Umfelddatenerfassung werden zum einen Sichtweitenmessgeräte zur Messung der vorhandenen Sichtweite (Streulichtmessung) und zum anderen Nässeerfassungsgeräte (Niederschlagsmenge und -art mit Doppler- Radar-Messung) für die Ermittlung der Wassermenge auf der Fahrbahn eingesetzt. An einigen Standorten sind zusätzlich Bodensonden in der Fahrbahn eingebracht, die neben der Wasserfilmdicke auch Daten für den Betriebsdienst (Gefriertemperatur, Fahrbahnoberflächentemperatur) liefern.

Die Anzeigenquerschnitte, die Verkehrs- und Umfelddatenerfassungsgeräte sind an die Streckenstationen angeschlossen, die die Kommunikation mit dem Verkehrsrechner übernehmen. Die Datenübertragung zwischen den Streckenstationen und dem steuernden Verkehrsrechner der Unterzentrale in der Verkehrsrechner- und Betriebszentrale (VBZ) Südbayern in München-Freimann erfolgt über ein hochleistungsfähiges Netzwerk (Lichtwellenleiter). Die Bedienung und Visualisierung der Anlage erfolgt in der VBZ Südbayern.

Zusätzlich zur SBA wurde eine temporäre Seitenstreifenfreigabe vom AK Neufahrn bis zum AD Holledau in FR Nürnberg sowie von der T+R Holledau bis zur AS Allershausen in FR München aufgebaut und in die SBA integriert. Hierzu wurde folgendes ergänzt:

  • Wechselverkehrszeichen analog zur SBA zwischen rechtem Fahrstreifen und Seitenstreifen sowie über dem Seitenstreifen,
  • Verkehrsdatenerfassung mit Überkopfdetektoren für den Seitenstreifen,
  • StVO-Anzeigen Z 223 (Z 223.1 "Seitenstreifen befahren", Z 223.2 "Ende Seitenstreifenfreigabe", Z 223.3 "Seitenstreifen räumen") auf der rechten Fahrbahnseite mit Unterstützung durch überkopf angebrachte Dauerlichtzeichen (nach unten gerichteter grüner Pfeil, rotes „X“, gelb blinkender Schrägpfeil) in LED-Technik,
  • Anzeige des vierten Fahrstreifens in der Wegweisung in Prismenwendertechnik,
  • Schwenk- und zoombare Videokameras auf Masten, an Kragarmen und VZB zur Überwachung der Hindernisfreiheit des Seitenstreifens und
  • Videonetzwerk über Lichtwellenleiter mit Videozentrale im Kabelhaus Holledau.

Zusätzlich wurden für die Seitenstreifenfreigabe alle 500 m bis 1.000 m Nothaltebuchten und Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen bei Parkplätzen und Knotenpunkten eingerichtet. Der Seitenstreifen wurde in Teilbereichen verstärkt. Der vierte Fahrstreifen wird mittels Prismenwender in der Wegweisung angezeigt. Mittels schwenk- und zoombaren Videokameras auf Masten, an Kragarmen und VZB wird der Seitenstreifen von der Videozentrale im Kabelhaus Holledau beobachtet und überwacht.

Der Verkehrsrechner schlägt bei hohem Verkehrsaufkommen auf der A 9 eine Schaltung zur temporären Freigabe des Seitenstreifens als Fahrstreifen vor. Bevor der Operator diesen freigibt, scannen die Videokameras der intelligenten Videozentrale den entsprechenden Abschnitt und überprüfen, ob der Seitenstreifen frei von Hindernissen und befahrbar ist. Zusätzlich wird der Operator künftig durch eine automatische Detektion in den bereits überprüften und für den Verkehr freigegebenen Abschnitten unterstützt.

Nach der Freigabe des Seitenstreifens kann das System zukünftig zusätzlich zur Verkehrsanalyse und -beobachtung verwendet werden und Staus, liegengebliebene Fahrzeuge, Hindernisse, Falschfahrer oder besetzte Pannenbuchten detektieren und an den Operator melden. Bei rückgehendem Verkehrsaufkommen oder bei Störungen (z.B. Unfall, Pannenfahrzeugen, Fahrzeugen in der Nothaltebucht) erfolgt die Rücknahme der Seitenstreifenfreigabe.

Projektinhalt (FR M. / FR N.)

  • Länge SBA.........................35,6 km / 34,1 km
  • Länge TSF.........................26,3 km / 29,5 km
  • Anzeigequerschnitte mit
    Wechselverkehrs­zeichen /
    Dauerlichtzeichen
    - Schilderbrücken......................21 St. / 21 St.
    - Kragarm......................................6 St. / 7 St.
    - Rohrmast....................................3 St. / 0 St.
  • Anzeigequerschnitte mit
    Wechselwegweisung....................8 St. / 7 St.
  • Anzeigequerschnitte mit
    statischer Wegweisung ................4 St. / 4 St.
  • Anzeigequerschnitte mit
    Vorschriftzeichen
    Z 223 StVO...............................28 St. / 27 St.
  • Verkehrsdaten
    - Überkopfdetektoren................91 St. / 75 St.
    - Induktionsschleifen.................23 St. / 15 St.
  • Sichtweite....................................37 St. / 7 St.
  • Nässe..........................................15 St. / 8 St.
  • Bodensensoren.........................18 St. / 18 St.
  • Videostandorte..........................73 St. / 81 St.
  • Streckenstationen
    - neu.........................................31 St. / 35 St.
    - umgerüstet...............................15 St. / 2 St.
  • Länge der neu verlegten Kabel
    - Datenkabel (LWL)..................72 km / 54 km
    - Energiekabel..........................26 km / 33 km
  • Energieeinspeisepunkte.................9 St. / 3 St.
  • Energieverteiler..........................34 St. / 15 St.

Nutzen

Der 1. Bauabschnitt umfasst den Bereich von der Anschlussstelle (AS) Allershausen bis zum AK Neufahrn in beiden Fahrtrichtungen. Die Teilfertigstellung des 2. Bauabschnitts erweitert die Maßnahme vom AD Holledau bis zur AS Allershausen in FR Nürnberg und ermöglicht die Seitenstreifenfreigabe vom AK Neufahrn bis AD Holldedau.

Die Streckenbeeinflussungsanlage vom AD Holledau bis zur AS Allershausen in FR Mün-chen ging im Juli 2015 in Betrieb. Eine Seitenstreifenfreigabe von der T+R Holledau bis zur AS Allershausen in FR München ist erst nach straßenbaulichen Anpassungen möglich. Diese sollen in 2016 erfolgen, so dass Ende 2016 / Anfang 2017 eine durchgehende Seitenstreifenfreigabe von der T+R Holledau bis zum AK Neufahrn vorhanden ist.

 

Inbetriebnahme 1. BA: Dezember 2012
Inbetriebnahmen 2. BA:
- FR Nürnberg (SBA+TSF): März 2015
- FR München (SBA): Juli 2015
- FR München (TSF): Ende 2016 / Anfang 2017